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Land und Leute Geschichte der Türkei: Entwicklung der Türkei im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert

Geschichte der Türkei: Entwicklung der Türkei im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert

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Entwicklung der Türkei im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert

Begünstigt durch wirtschaftliche und soziale Probleme und die daraus resultierende Unzufriedenheit der Bevölkerung, konnte sich zum ersten Mal in der türkischen Geschichte eine islamistische Partei (RP) bei den Parlamentswahlen am 24. Dezember 1995 behaupten.

Aber nicht nur soziale und wirtschaftliche Faktoren spielten eine Rolle. Sondern auch der Versuch von Politikern religiöse Empfindung in den vorangegangenen Jahrzehnten zu instrumentalisieren.
Nach einigen dubiosen Zwischenfällen, wie einem bis dato ungeklärten Autounfall am 3. November 1996, bei dem eine Gruppierung von Politikern und Angehörigen des organisierten Verbrechens, wurde dem Staat vorgeworfen sich mit der "Unterwelt" verbündet zu haben. Ihnen wurden unter anderem Morde an kurdischen Oppositionellen und liberalen Journalisten zur Last gelegt.



Das Militär sah das laizistische Erbe Atatürks durch die Politik Necmettin Erbakans gefährdet, so dass dieser am am 30. Juni 1997 zurücktreten musste. Die Wohlfahrtspartei RP wurde am 16. Januar 1998 vom Verfassungsgericht verboten. Auf diese Entwicklung folgte eine Spaltung der Islamisten. Der gemäßigte Teil unter dem derzeitigen Ministerpräsidenten Erdogan akzeptiert die demokratisch-laizistische Struktur der Türkei.

1999 starben 20 000 Menschen als Folge eines schweren Erdbebens, das Izmit und die Marmararegion verwüstete. Auch Istanbul wurde in Mitleidenschaft gezogen. In vielen Europäischen Staaten, darunter auch Deutschland und Frankreich, war eine große Solidarität mit den Opfern zu beobachten. Die Hilfeleistungen aus diesen wie auch aus anderen Ländern wurden von der türkischen Bevölkerung als wichtiges Zeichen insbesondere hinsichtlich einer gemeinsamen Europäischen Identität empfunden und stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl.

2001 und 2002 in Kraft tretende Verfassungsänderungen, namentlich Reformen im Bereich der Menschen- und Bürgerrechte, sowie der Renten- und Krankenversicherung, begünstigten die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union.

Recep Tayyip Erdogan konnte zunächst nicht das Amt des Ministerpräsidenten bekleiden, da er 1998 wegen einer "öffentlichen Äußerung islamistischer Parolen" (Zitierung eines religiösen Gedichts) verurteilt und vorbestraft worden war.

Erst 2003, nachdem einige Gesetze, die Verurteilten wie ihm die Ausübung politischer Tätikgeiten verboten, geändert wurden, konnte Erdogan bei Nachwahlen in der Provinz Siirt das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Zwar gab es Überlegungen der türkischen Armee, im Irakkrieg 2003 in den kurdischen Teil des Irak einzumarschieren, der USA und ihren Verbündeten wurde die Nutzung ihrer Militärbasen aber verweigert. Die darauf folgende "Sackaffäre", bei der zivil gekleidete türkische Armeeangehörige von US-Streitkräften am 4. Juli 2003 im Irak gefangen genommen wurden, stellte nach einigen anderen diplomatischen Verwerfungen den diplomatischen Tiefpunkt zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten dar.

Am 17. Dezember 2004 entschieden die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel, dass am 3. Oktober 2005 mit der Türkei Verhandlungen über den EU-Beitritt aufgenommen werden. Nach 10 - 15 Jahren soll geprüft werden, ab die Türkei die Beitrittsbedingungen erfüllt hat und ob die Europäische Union die Aufnahme der Türkei auf politischer und wirtschaftlicher Ebene verkraften kann.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. August 2010 um 11:22 Uhr